alter Titel

ehemals Württembergischer Verein zur Förderung der humanistischen Bildung e.V.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Römerbad Heidenheim: Unterwegs im Römischen Reich mit der Tabula Peutingeriana

Am kommenden Sonntagnachmittag, 23. Juli 2017 lädt der Arbeitskreis Museumspädagogik des Fördervereins Museum im Römerbad Heidenheim zu seiner nächsten Themenführung ein:

"Unterwegs im Römischen Reich mit der Tabula Peutingeriana"

Einer Rolle Pergament von fast 7 m Länge und 30 cm Breite verdanken wir die älteste schriftliche Erwähnung des Siedlungsplatzes Heidenheim. Sie findet sich auf der mittelalterlichen Kopie einer antiken Straßenkarte des ganzen Römischen Reiches, der so genannten Tabula Peutingeriana, und überliefert uns den Namen des römischen Heidenheim: Aquileia. Die Tabula, benannt nach dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger, wird heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt. Eine vollständige Reproduktion dieses einzigartigen historischen Dokuments im Maßstab 2:1 wird im Museum im Römerbad im Obergeschoss der Eingangsrotunde auf besonders eindrucksvolle Weise präsentiert. Karl-Heinz Kocka lädt bei seiner Führung zu einer genaueren Betrachtung der Tabula ein. Dabei wird er unter anderem auch erläutern, welche modern anmutende Infrastruktur den Reisenden von Schottland bis Persien bereits in der Antike zur Verfügung stand und dass damals auch ohne Online-Kartendienste eine genaue Reiseplanung betrieben werden konnte.
Ausschnitt der Tabula Peutingeriana mit Nennung des römischen Heidenheim  - Aquileia (Kasten oben).
Beginn um 15:00 Uhr. Eintritt und Führung frei - Der Arbeitskreis Museumspädagogik freut sich über einen Obolus zur Unterstützung seiner Arbeit.

Zum Vormerken:

Zu Beginn der Sommerferien findet vom 5. bis 13. August zum zehnten Mal die Eintrittsfreie Museumswoche der städtischen Museen in Ostwürttemberg statt. Auch das Museum im Römerbad wird sich wieder daran beteiligen.

Link zum Museum Römerbad

Donnerstag, 6. Juli 2017

Update: Veranstaltungstipps Juli 2017

Im Juli sind noch weitere altertumswissenschaftliche Veranstaltungen dazugekommen (vgl. hier):

Di, 13.7.: PD Dr. Wiebke-Marie Stock (Bonn): "Plotins Schrift 'Über den Daimon, der uns erloste' (Enn. III 4 [15])" an der Universität Tübingen, Philologisches Seminar, Konferenzzimmer um 18 Uhr c.t.

Do, 20.7.: Dr. Leonardo Costantini (Leeds): "Dynamics of Laughter: The Costumes of Menippus and Mithrobarzanes in Lucian's Necyomantia" an der Universität Freiburg in der Bibliothek der Abteilung für Lat. Philologie des Mittelalters um 18 Uhr c.t.

Samstag, 1. Juli 2017

Humanistische Reflexionspause: Wer war Helmut Kohl? (III)

Die Deutsche Einheit soll dem Kanzler Kohl einfach in den Schoß gefallen sein, bekommt man allenthalben immer noch zu hören. Doch stimmt das wirklich? In guter humanistischer Manier wollen wir hier sine ira et studio versuchen, die geschichtlichen Ereignisse von damals in ihren mannigfachen Bezügen zu betrachten. Uns mit der politischen Erbschaft der Ära-Kohl eingehend zu befassen, erweist sich übrigens auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit unseren gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen als äußerst aufschlussreich: politische Verwerfungen in Ostdeutschland (cfr. Pegida), allerorten zu beobachtender Vertrauensschwund der Volksparteien, kurzsichtiges Handeln der Europa-Politiker, Dissonanzen mit osteuropäischen Staaten, Euro-Krise, Brexit, etc. – überall finden sich Anknüpfungspunkte für eine einträgliche Auseinandersetzung mit dem Wirken des Einheitskanzlers. Wir müssen nur bereit sein, aus der Geschichte zu lernen – findet sich doch gerade in der historischen Aufgeschlossenheit eine der wichtigsten Kernideen des Humanismus. (Hier: Teil1, Teil2)

 
・Die Altlasten aus der Vergangenheit

Die sog. Ostgrenze an der Oder und der Lausitzer Neiße
Das Deutsche Reich 1937
konnte also bei der Realisierung der Deutschen Einheit zu einem Problem werden. Schließlich forderten die Heimat­vertrie­benen und die deutschen Minderheiten in den Oder-Neiße-Gebieten ihr Recht auf Selbstbestimmung und Wiedereingliederung ihrer Siedlungsgebiete an ein zukünftiges Gesamtdeutschland. Die endgültige Festlegung der Grenzfrage wusste Helmut Kohl zunächst an zwei Bedingungen zu knüpfen: die Anerkennung der Rechte der deutschen Minderheit in Polen (cfr.  Deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991) und den unwiderruflichen Verzicht Polens auf jede weitere Reparationsleistung Deutschlands für Kriegsschäden (Zahlungsforderung seit dem 1. Januar 1954 eingestellt). Uns fiel auf, dass erst der Bundespräsident Freiherr von Weizsäcker mit seiner Ansage vorpreschte, die sog. „Oder-Neiße-Linie“ als die endgültige bestehende Ostgrenze des geeinten Deutschlands anzu­erkennen. Für die Anerkennung der bestehenden Westgrenze Polens hatte bereits auch die Bundes­tags­präsidentin Rita Süssmuth eine öffentliche Kampagne gestartet. Frankreich und Groß­britannien drangen auf eine Klarstellung dieser Frage. Auch die Medien wurden zunehmend ungeduldig: „Warum läßt Kohl alle Welt im Zweifel, obwohl die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Grenze für keinen Staat in Ost und West außer Frage steht?“ (DER SPIEGEL 10/1990). Erst dann zog der Bundeskanzler Kohl behutsam nach, der sichtlich vorsichtig die Wogen bei den Konservativen und den Heimat­vertrie­benen still­zuhalten suchte – indem er seine vorkehrende Absicht bekräftigte, den endgültigen Grenzverlauf durch „eine frei gewählte gesamtdeutsche Regierung und ein frei gewähltes gesamtdeutsches Parlament“ anerkennen zu lassen. Tatsächlich habe ich in Tokyo während der 80er Jahre noch ziemlich kon­ser­vative Menschen aus Deutschland kennengelernt, die Wert darauf legten festzustellen, dass die Ostgebiete des Deutschen Reiches (Oder-Neiße-Gebiete) lediglich unter polnischer (u.a.) Verwaltung stünden. Die Ostpolitik von Willy Brandt, namentlich der Warschauer Vertrag vom 7. 12. 1970, würde lediglich Grenzgarantie und Gewaltverzicht beinhalten; was aber keinesfalls mit der endgültigen Grenzfestlegung des deutschen Nationalstaates zu tun habe. Laut dem Beschluss der Potsdamer Konferenz vom 2. 8. 1945 sei die Frage der endgültigen Grenzregulierung eigens einem umfassenden Friedensvertrag mit 54 alliierten Feindesnationen vorbehalten – ein Standpunkt übrigens, den im Grundsatz die damalige Bundesrepublik de jure keineswegs aufgegeben hatte (cfr. die Rechtsprechung des Bundes­verfassungs­gerichts zu den sog. Ostverträgen).